Im Herzen des Inka-Reiches (Tag 266 – 274)

  1. – 25. Juni 2017| Puerto Maldonado – Cusco – Santa Teresa – Machu Picchu | PERU

Nach einer letzten Nacht im Tiefland klettern wir innerhalb eines Tages in die Höhen der Peruanischen Anden. Schon vor der Grenze haben die Brasilianer von den guten Strassen in Peru geschwärmt und tatsächlich erwarten uns wunderbar kurvige, frisch asphaltierte Strassen. Wie wir die vermisst haben! Die Berge lassen jedoch auch die Temperaturen sinken: von einem Morgen auf den anderen von 28°C auf 5°C. Wir schälen uns nur ungern aus dem warmen Schlafsack, freuen uns aber auch, wieder einmal Daunenjacke, Halstuch, Mütze und Handschuhe auszupacken.

Kurven!

Nachtlager mit Ausblick aber ohne Morgensonne

Am nächsten Tag erreichen wir Cusco wo wir einige Ruhetage einlegen, um uns langsam an die Höhe zu gewöhnen. Unser Hotel befindet sich etwas abseits des Trubels der Innenstadt, welche jedoch in 10 min zu Fuss zu erreichen ist. Jeden Tag streifen wir durch die Gassen und bewundern die überall sichtbare Baukunst der Inkas. Kleine und grosse Steinblöcke sind millimetergenau ineinandergepasst, ohne dass Mörtel verwendet werden musste. Cusco liegt im Zentrum des ehemaligen Inkareiches und wir besuchen das Museo Inka, um etwas mehr über diese Kultur zu erfahren, deren Überreste uns schon in Bolivien begegnet sind. Während wir in der Stadt sind, sieht man überall die Vorbereitungen für Inti Raymi, dem Inka-Fest zur Wintersonnenwende. Jeden Tag führen lange Umzüge mit Musik und Tanz durch die Innenstadt. Dieses Fest zieht jedes Jahr Tausende Menschen nach Cusco und zu den umliegenden Sehenswürdigkeiten, deshalb besorgen wir uns hier schon mal die Eintrittskarten für den Machu Picchu, den wir in ein paar Tagen besuchen möchten.

Millimeterarbeit

Wer passt sich wem an?

Kleine Kondore zeigen ihr Tanzkönnen

Jedes Jahr werden zur Wintersonnenwende die Wände frisch geweisselt

Während viele Besucher Touren zum Machu Picchu von Cusco aus buchen und per Zug nach Aguas Calientes, eine kleine Ortschaft am Fusse der Ruinenstadt, reisen, entschieden wir uns für eine etwas beschwerlichere, aber auch um einiges günstigere und spannendere Variante. Im Norden vom Machu Picchu befindet sich eine kleine, mit dem eigenen Fahrzeug gut zu erreichende Ortschaft Santa Teresa, von wo man wiederum einen Zug nehmen oder die 10 km nach Aguas Calientes den Gleisen entlang wandern kann. Von dort hat man dann die Wahl die 400 Höhenmeter zum Eingang der Ruinenstadt hochzuklettern oder bequem (und faul) den Bus zu nehmen.

Ein weiterer Vorteil vom Selbstfahren ist, dass die Strasse nach Santa Teresa an zahlreichen weiteren Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Durch das Valle Sagrado, dem heiligen Tal der Inkas, erreicht man die Ruinen weiterer Inkasiedlungen von Ollantaytambo und Pisac, die noch immer genutzte Salzgewinnungsanlage von Maras und die terrassierten Dolinen von Moray, die den Inkas möglicherweise als landwirtschaftliche Versuchsanlage zur Experimentierung mit verschiedenen Mikroklimaten gedient hat. Später wird man mit einigen Haarnadelkurven und wunderbaren Ausblicken vom Pass Abra Malaga belohnt und zum Abschluss schlägt auch das Abenteurerherz höher, denn die letzten 23 km werden auf einer holprigen und staubigen Schotterstrasse zurückgelegt, die sich der senkrechten Wand einer tiefen Schlucht entlang zieht.

Das Valle Sagrado – das heilige Tal der Inkas – ist besonders fruchtbar

Die Salinen von Maras

Aussicht von der Abra Malaga

Sobald wir in Santa Teresa ankommen, springen mehrere Leute am Strassenrand auf und versuchen uns zu ihren Hotels zu lotsen. Müde vom langen Tag folgen wir der ersten Frau die Strasse hinab und haben bald für die nächsten 3 Nächte ein zweckdienliches Doppelzimmer gesichert. An diesem Abend gehen wir früh zu Bett, denn es erwartet uns ein langer, harter Tag: wir möchten nicht nur die Strecke bis Aguas Calientes laufen, sondern auch auf den Bus verzichten…und am gleichen Abend alles wieder zurück.

Nach einem hastigen Frühstück holt uns um 6.30 Uhr das Kollektivtaxi ab, um uns bis ans Ende der Strasse zu fahren, wo der Bahnhof liegt und der Wanderweg beginnt. Die Wanderung entlang der Gleise ist einfach und in der Morgenfrische ganz angenehm. Da wir uns für einen Nachmittagsbesuch entschieden haben, haben wir den Weg fast für uns allein. Als besonderes Highlight gilt der Sonnenaufgang über den Ruinen und so ziehen die frühen Morgenstunden am meisten Besucher an. Wir haben aber auch gehört, dass Morgennebel oft die Aussicht verdirbt und haben zudem keine Lust die Aussicht mit hunderten Anderen zu teilen. Der Machu Picchu ist eine der grössten Touristenattraktionen Südamerikas und zieht jeden Tag an die 2’500 Besucher an. Auch wenn die Anlage sehr weitläufig ist, wird es da etwas voll. Mit unserem Ticket dürfen wir die Anlage erst um ein Uhr betreten, bezahlen dafür aber nur noch 30 US$ pro Person.

Da hoch wollen wir heute noch! – Hinteransicht der Ruinenstadt

Als wir um 9 Uhr am Fusse des Berges ankommen, hat die Sonne schon merklich an Kraft gewonnen. Wir beschliessen, obwohl wir früh dran sind, den Anstieg über die unzähligen Treppenstufen sofort hinter uns zu bringen und erst oben unseren Proviant zu essen und gemütlich auf den Einlass zu warten. Immer wieder kreuzen wir die Strasse und sehen die vollgepackten Busse an uns vorbeifahren. Zugegeben sind unsere Beine schon etwas müde und wir etwas neidisch, freuen uns aber auch daran, dass wir uns dafür entschieden haben den Besuch zu «erarbeiten». Dadurch wird er hoffentlich auch einen grösseren Eindruck hinterlassen.

Nach der einsamen Wanderung sind wir, einmal oben angekommen, ein wenig überwältigt von den vielen Menschen, die plötzlich überall um uns herum sind. Doch an der langen Schlange an der Bushaltestelle zu urteilen, scheinen die meisten zur Morgengruppe zu gehören, und sich schon wieder auf dem Heimweg zu befinden. Und obwohl später immer noch eine beträchtliche Anzahl Besucher in den Ruinen unterwegs sind, empfinden wir diese nicht als störend. Da die Anlage in einem Bergsattel gelegen und so gewaltig ist, hat man von vielen Orten eine gute Aussicht und Übersicht ohne sich vordrängeln zu müssen.

Wir haben uns entschieden die Ruinen ohne teuren Guide zu besuchen und sind etwas enttäuscht über die spärliche Hintergrundinformation, die man kriegt. Kein Übersichtsplan, keine Infotafeln, kaum Wegweiser. Schade, denn bei dem vergleichsweise hohen Eintrittspreis würde man schon etwas mehr erwarten. Es scheint der Fokus der Behörden liegt darauf, möglichst viele Arbeitsplätze zu schaffen. Kurz nach unserem Besuch wurden die Bestimmungen geändert und ein Besuch ohne Guide ist nicht mehr möglich.

Aus unserem Reiseführer können wir doch etwas Wissen zusammenkratzen und dank Offlinekarten, finden wir auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Wie zum Beispiel die Inka-Brücke, die mit losen Brettern den Weg über den Abgrund vervollständigt und mit welcher, wie mit einer Zugbrücke, der Zugang über einen der zum Machu Picchu führenden Inka-Wege kontrolliert werden konnte.

Die Inka-Brücke

Lamas sind im Gegensatz zu den Zweibeinern schwindelfrei

Nach einigen Stunden herumwandern, spüren wir langsam die Müdigkeit in den Beinen und machen uns an den langen Rückweg. Es wird eine kurzweilige Wanderung entlang der Gleise, denn nach und nach gesellen sich weitere späte Wanderer zur Gruppe hinzu, die den Weg auch in der Dunkelheit bewältigen möchten bzw. müssen. Wir sind alle nicht ganz sicher um welche Uhrzeit wohl das letzte Taxi vom Bahnhof nach Santa Teresa fährt, doch so viele Leute können schon nicht falsch liegen. Und tatsächlich findet sich nach einigen langen Minuten warten eine Rückfahrgelegenheit. Bevor wir weiter in die Peruanischen Berge vorstossen, kurieren wir am nächsten Tag unseren Muskelkater mit einem wohlverdienten Bad in den örtlichen heissen Quellen, ein Hochgenuss.

Frühstück in guter Gesellschaft

3 comments

  1. Gratulation für Eure Arbeit! So lernt man/frau die Erde kennen, wenn sie mit den Füssen ertastet wird. Überwältigender Bericht! Big hug!

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