Brasiliens Küste entlang in den Norden (Tag 209 – 228)

20. April – 09. Mai 2017 | Bundesstaaten: São Paulo, Rio de Janeiro, Espirito Santo, Sergipe, Alagoas, Pernambuco, Paraíba, Rio Grande do Norte | BRASIL

Da wir unser Visum voraussichtlich nicht verlängern können und wir mit den Motorradproblemen einige Wochen verloren haben, bleiben uns nun gut 2 Monate in Brasilien. Wenn wir unserem ursprünglichen Plan folgen wollen und Französisch Guyana, Suriname und Guayana besuchen möchten, müssen wir vorwärts machen. Die nächsten Wochen fahren wir zügig der Küste entlang gegen Norden. Wir übernachten vornehmlich in der Nähe des Meeres, wo sich die meisten Zeltplätze finden und man sich nach einem anstrengenden und heissen Tag auf dem Motorrad in den Wellen abkühlen kann. Die drei Wochen im Hotel haben ihren Abdruck in unseren Finanzen hinterlassen und da Brasilien nicht zu den günstigeren südamerikanischen Reiseländern gehört, müssen wir von nun an das Zelt bevorzugen. Das fällt uns aber auch nicht schwer, denn endlich ist es auch nachts warm und Brasilianische Zeltplätze sind meistens in einem guten und sauberen Zustand.


Die Küste zwischen São Paulo und Rio gehört zu den schönsten Landschaften Brasiliens. Die Hügel reichen hier bis ans Meer und die Strasse windet sich der unregelmässigen Küste entlang. Die kurvige Fahrt wäre kurzweilig, wenn da nicht bei jeder Bushaltestelle und jedem Fussgängerstreifen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 kmh inklusive Radarfalle eingerichtet wäre. Die Brasilianer bremsen zudem nicht nur auf die Maximalgeschwindigeit, sondern konstant 10-20 kmh darunter. Erhoffen sie sich dadurch einen Bonus oder sind ihre Tachos so ungenau? Da der Verkehr einigermassen dicht ist, hat man immer ein Auto vor sich und das Überholen lohnt sich praktisch nicht.


Jede Ortschaft hat ihren eigenen Traumstrand. Die einen sind flach, mit ruhigem Wasser, andere steilabfallend mit grossen Wellen in Ufernähe. Wir bevorzugen letzteres, ein Spasskampf mit den Wellen ist genau das richtige um die lange Untätigkeit auf dem Motorradsitz zu kontrastieren und den Kopf zu lüften. Die Nähe zu den zwei Grossstädten sorgt für einen konstanten Strom einheimischer und ausländischer Touristen, die Infrastruktur ist gut ausgebaut, das Angebot an Restaurants und Unterkünften breit. Dafür ist fast jede Nacht Party mit Musik bis in die frühen Morgenstunden angesagt, an erholsames Schlafen ist kaum an einem Ort zu denken.

Wegen Regen auf den Nachmittag am Strand verzichten? Sicher nicht!

Kurz vor Rio biegen wir landeinwärts. Lange haben wir diskutiert, ob wir in die Stadt reinfahren sollen oder nicht. Der Ruf dieser schönen Stadt ist nicht der beste. In den vergangenen Monaten passierte es zweimal, dass Touristen, dem Navi vertrauend, in einer Favela landeten und an- bzw. erschossen wurden. In Rio liegen die armen Wohngebiete nicht wie in anderen Städten nur in der Peripherie, sondern auch in der Innenstadt, wo reiche und arme Viertel direkt aufeinandertreffen. Zum Teil führen Zubringerstrassen mitten durch Favelas. Ein Besuch mit dem eigenen Fahrzeug ohne die Unterstützung eines Einheimischen will also besser geplant sein, als in anderen Grossstädten. Schon einmal hat uns das Navi in Brasilien wegen einer verpassten Autobahnverzweigung auf dem schnellsten Weg den Abhang hinunter durch ein verarmtes Quartier geschickt. Wenn es geht, möchten wir so etwas in Zukunft vermeiden.

Ausschlag für die Umfahrung, gab dann aber der nicht weit zurückliegende Abstecher nach São Paulo. So schnell hatten wir keine Lust mehr eine Millionenstadt zu erkunden und die erzwungene Motorrad-Abstinenz, der vergangenen Wochen nagt an uns. Also nehmen wir eine der grossen Umfahrungsstrassen durch ein, für die Olympiade 2016, neugebautes Aussenquartier. Wir fahren an menschenleeren, futuristischen Bushaltestellen, verlassenen Pools und Sportplätzen vorbei. Auf der glatten Strasse sind noch die Markierungen für das Strassenrennen der Radfahrer zu erkennen. Überall zeugen Überreste von Transparenten und vergessene Absperrungen von dem Grossevent.

Bald befinden wir uns auf der Autobahn in den Westen. Doch halt, da stimmt doch etwas nicht – wir wollten doch in den Nordwesten! Wir haben die Abzweigung verpasst und müssen, wenn wir nicht einen Umweg von vielen Kilometern fahren wollen, wenden. Na super, irgendwo in den Aussenquartieren von Rio müssen wir von der Autobahn abfahren und den Weg zurückfinden ohne die Zeit zu haben, zu überprüfen, wo wir uns genau befinden. Die Häuser sehen zwar schäbiger aus, als im Olympia-Viertel, doch nicht allzu ärmlich und es hat viel Verkehr auf der Strasse. Nach einem längeren Umweg und mehreren Kehrtwenden, befinden wir uns bald wieder auf der Autobahn und nun endgültig auf dem richtigen Weg, in die Berge im Norden von Rio.





Eigentlich wollten wir von hier einen Schlenker durch den Binnen-Bundesstaat Minas Gerais machen, der bekannt ist für gutes Essen und herzliche Leute. Die Strassen durch die Berge sind aber so verstopft mit Verkehr und die Nächte kalt, dass wir uns schnell wieder vom Ruf des Meeres an die Küste locken lassen. Hier winkt immerhin jeden Tag ein Bad im Meer um die Strapazen des Tages abzuwaschen.


Die BR 101, die die Bundesstaaten von Süd nach Nord verbindet, verläuft, meist um die 100 km ins Landesinnere versetzt, mehr oder weniger schnurgerade durch Rinderweiden, Eukalyptus-, Kakao- und Cashewplantagen, Zuckerrohrfelder und Kokospalmenhaine. Die Küste wird immer wieder von breiten Flussmündungen unterbrochen. Wir versuchen trotzdem so gut es geht auf kleineren Strassen dem Meer entlang zu fahren und sind daher immer wieder auf grössere und kleinere Fähren angewiesen, die uns über den Fluss transportieren. Eine willkommene Abwechslung.








Es war nicht unser Plan jeden Tag weiter zu ziehen, doch erst ganz im Nordosten von Brasilien in Pipa, in der Nähe von Natal, der Hauptstadt des Bundesstaats Rio Grande do Norte, finden wir die ideale Kombination von schönem Strand, hohen Wellen, gemütlichem Camping, keine Partymusik und wenig Blutsaugern, der uns verführt einige Tage am gleichen Ort zu bleiben. Der grösste Teil von Pipa ist dem Tourismus gewidmet und dementsprechend vollgepackt und laut. Doch der Camping liegt am Rande der Ortschaft, auf einer Klippe hoch über der weniger gut zugänglichen und deshalb etwas ruhigeren Praia do Amor (Strand der Liebe). Traut man sich das steile, rutschige Privatweglein zu, ist man in 5 Minuten im Wasser. Auf dem Camping sind einige Strohdächer aufgestellt, wo wir unser Zelt aufbauen und unser Puff gut geschützt vor dem täglichen Regenguss ausbreiten können.












Zum Schluss: Neuigkeiten von unseren, für einmal pelzlosen, vierbeinigen Bekanntschaften
Als wir von einem Einkauf zurück kommen, hockt eine Eidechse ganz nah an unserem Zelt und springt auch nicht fort als wir mit der Kamera näher kommen. Neugierig gehen wir noch ein Stück näher und da huscht sie unter das Zelt. Als wir ins Loch spähen, um zu sehen was sie da getrieben hat, realisieren wir, dass wir sie beim Eier ablegen gestört haben! Da sie von ihrem Loch vertrieben wurde, der Prozess jedoch nicht gestoppt werden kann, legt sie die nächsten zwei Eier ins Zelt.

Da wir keine Eidechsen-Babys auf dem Gewissen haben möchten, helfen wir der Natur etwas nach. Nach einigen Minuten still sitzen, getraut sich die Eidechse wieder in die Nähe des Lochs. Kurz nachschauen ob alles in Ordnung ist, dann beginnt sie das Loch zu zu buddeln. Nach weiteren Kontrollen und einigen Schichten Sand scheint die jetzt ganz magere Eidechse zufrieden mit der Arbeit und macht sich auf die Suche nach etwas zu Fressen. Jetzt ist kaum mehr auszumachen wo sich das Gelege befindet und die restlichen Tage versuchen wir diese Zeltecke grossräumig zu umgehen. Bis die Jungen schlüpfen dauert es drei bis vier Wochen, leider waren wir da schon abgereist und konnten den Erfolg unserer Mithilfe nicht überprüfen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *